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OP auf Achse: Schwertransport von Heideck nach Neumarkt

In der Nacht rollten 50 Tonnen mit Polizeibegleitung in Richtung Klinikum

(HEIDECK/NEUMARKT) 22.11.2019 – Einen „schlüsselfertigen Operationssaal“ karrten die Schwertransport-Experten von Markewitsch von Heideck zum Klinikum Neumarkt – und das mitten in der Nacht. „Ein nicht gerade alltägliches Vorhaben“, meint Projektleiter Rainer Schaller von der HT Group in Heideck.

Schaller plante den außergewöhnlichen Schwertransport mit einer rund sechsmonatigen Vorlaufzeit. In Neumarkt sollen in dem hochtechnisierten „Containermodul“ bereits ab Januar 2020 Ärzte praktizieren. Während am Klinikum Neumarkt derzeit ordentlich gebaut wird, haben die Spezialisten der HT Group bereits den OP-Saal in Heideck fertiggestellt.

„Das spart ordentlich Zeit“, so Schaller. Schließlich könne sich ein Krankenhaus keine langfristigen Ausfallzeiten leisten. Schon gar nicht durch baubedingte Gründe. In Neumarkt werde das Modul nur noch per schweren Autokran auf ein Fundament gehoben. Im Inneren des Modulgebäudes befinden sich Technik- und Waschraum sowie ein Einleitungs- und Ausleitungsraum für Operationen „Alles ist fix und fertig“, erklärte Schaller. Über ganze drei Stunden habe in Heideck alleine das Aufladen auf einen speziellen 8-achsigen Anhänger gedauert. Aber: „Alles ist problemlos verlaufen“.

Der „Star“ des Spektakels war der Berufskraftfahrer Bernd Sachs, der die Aufgabe hatte, das Kollos per Landstraße ans Ziel zu bringen. In seiner 10-jährigen Karriere habe er schon so manches „dicke Ding“ herumkutschiert, doch ein solches Projekt war selbst für ihn eine Herausforderung: „Ich habe mächtig Respekt davor, was ich da fahre.“ Immerhin ziehe er knapp 50 Tonnen Ladegut, das weit über sechs Meter breit ist. Ein Transport dieser Art könne im Prinzip nur nachts durchgeführt werden, um den Straßenverkehr nicht zu stark zu behindern.

Begleitet wurde Sachs von drei Begleitfahrzeugen und natürlich von der Polizei. Auf seiner Strecke galt es enge Stellen zu durchfahren und auch den einen oder anderen Kreisverkehr zu überqueren. Aufgrund der Ausmaße hatten auch das Begleitpersonal ordentlich zu tun: Verkehrsschilder in Windeseile abmontieren und sofort wieder aufstellen, war nur eine Aufgabe der zahlreichen Helfer. „Die Arbeit aller Beteiligten ist wichtig. Ich kann nur noch vorne sehen und habe keine Ahnung, was hinter mir passiert. Ich muss mich voll auf meine Kollegen verlassen“, so Sachs.

Durch die Ortschaften würde er nur Schrittgeschwindigkeit fahren: „Wenn’s auf der Landstraße gut läuft, maximal 60 Kilometer in der Stunde.“ Mit rund 16 Metern Ladung „eine ganz schöne Hausnummer“. Die Zusammenarbeit in dieser Nacht klappte gut und Bernd Sachs meisterte sogar den gefürchteten Solarer Berg in Hilpoltstein bestens. Am Zielort angekommen, atmeten erst einmal alle tief durch. Nun kann das „Containermodul“ wie ein Puzzlestück in den Rohbau der Klinik eingefügt werden.

Als Entlastung gedacht
Anlässlich der außergewöhnlich großen „Anlieferung“ in Neumarkt stellte eine Krankenschwester in der Neumarkter Klinik schon mal das Kopfteil des Patienten nach oben, damit er auch was sieht von dem Ereignis: Auf den Gängen im Klinikum Neumarkt, die Fenster zur Baustelle haben, stehen viele Leute an den Scheiben. Draußen gondelt das neue OP-Saal-Modul durch die Luft.

Seit noch nicht einmal einer Woche ist die Betonplatte fertig, auf die nun das neue OP-Modul für das Klinikum Neumarkt millimetergenau aufsetzt. Ein 500 Tonnen schwerer Kran hievt das Modul über die Fußgängerbrücke, die im Klinikum zum Dialysegebäude führt, und lässt den Quader langsam auf die vorbereitete Fläche sinken. Als das Modul gerade über der Brücke schwebt, heißt es „alle raus, damit es hier nicht geht wie beim ‚Eberhofer“‚: Im Krimi „Winterkartoffelknödel“ gab es bekanntlich einen Toten, der von einem herunterfallenden Container zerquetscht wurde. Doch in Neumarkt geht alles gut, der OP-Saal nimmt seinen geplanten Weg und landet sicher. „Der Adler ist gelandet, the eagle has landed“, scherzt Projektleiter Schaller.

Das Modul ist als Entlastung gedacht, während im Klinikum Neumarkt die bestehenden OP-Säle renoviert werden und wird sicher bis 2024 im Einsatz sein. Dann wird über den weiteren Verbleib entscheiden, sagt Klinikum-Sprecher Oliver Schwindl. Rund 900.000 Euro kostet diese Lösung fürs Klinikum – inklusvie der baulichen Anpassungen des bestehenden Gebäudes.

Quelle: nordbayern.de
Text & Fotos: Marco Frömter + Magdalena Kayser, Hilpoltsteiner Zeitung
Originaltext, Bilderserie und Video vom Beitrag

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